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Teju Cole: Open City

 

An Teju Coles Roman besticht vor allem der Ton seines Erzählers. Anfangs klingt Julius ruhig und gefasst. Der Einwanderer, mit nigerianischen und deutschen Elternteilen, flaniert allabendlich durch die Straßen New Yorks, beobachtet, lauscht, wird Zeuge des Großstadtlebens.

 

Er begegnet sonderbar skurrilen Personen. Darunter einem haitianischen Schuhputzer, einem politischen Gefangenen aus Syrien, der nun in Queens in Haft sitzt, einem alten Professor. Sie alle erzählen von grundverschiedenen Erfahrungen und ungelebten Träumen.

Rasch bemerkt der Leser: Der Protagonist flaniert nicht, er wandert ruhelos umher. Die multikulturelle Riesenmetropole intensiviert sein Gefühl der Entwurzelung und Heimatlosigkeit – und schärft seinen Blick für bedeutungsträchtige Details. Julius registriert Kleinigkeiten, die über Gemeinschaft und Einsamkeit Aufschluss geben. Sie machen „Open City“ zu einem berührenden Leseerlebnis und faszinieren nicht zuletzt deshalb, weil der Autor sich einer eleganten wie einfachen Sprache bedient.


 

 

 

Fazit:

Teju Coles ist für sein Debut mit W. G. Sebald und J. M. Coetzee verglichen worden. Sein wahrer Verdienst liegt jedoch darin, einen eigenen Stil gefunden zu haben, der den „Großen“ einzig darin ähnelt, seine Leser bis zur letzten Seite zu bewegen.

 

Anna Gielas

Teju Cole, Open City

Gebunden - Suhrkamp
Erscheinungsdatum: September 2012
ISBN: 3518423312