MyCulture

 

 

 

Eupenarena 2008

 

Ein riesiges Wiesengelände, umgeben von malerischen Feldern und Weiden im etwas verschlafenen belgischen Eupen. So wartete das Festivalgelände für die Eupenarena 2008 auf, präsentiert von Einslive. Bei einem Line-up von Robert Capitoni, Art of Mouth, Poolstar, Nicht ohne meine Schwester, Dúné, Sportfreunde Stiller und die Headliner Die Ärzte hielt sich sogar das Wetter an die Spielregeln und drohte lediglich mit Regen. Doch spätestens die Ärzte hatten selbst das Wetter fest im Griff und vertrieben mit musikalischem Können, Sarkasmus und guter Laune die trüben Wolken.

 

Das Gelände in der Nähe des deutschen Grenzstädtchens Aachen füllte sich im Laufe des Tages immer mehr und spätestens Dúné sorgte für wahres Festival-Feeling. Die Dänen mit dem in die Irre führenden französischen Namen heizten dem Publikum mit ihrem Indie-Rock gründlich ein. Die Tour-Erfahrung als Vorgruppe der Ärzte auf deren „Jazzfäst“-Tour merkte man den sieben Jungs deutlich an. Routiniert und trotzdem mit viel Spaß spielten sie sich durch ihr Programm, scherzten mit dem Publikum und genossen das Festival-Feeling. Doch Neulinge sind Dúné (trotz ihrer ungerechtfertigten relativen Unbekanntheit hierzulande) dennoch nicht: Ihre Premiere vor großem Publikum feierten sie bereits 2007 in Roskilde, bevor sie ihr erstes Album veröffentlichten. Anschließend ging es mit Panic at the Disco auf Tour. Doch Eupen reagierte noch zu verhalten auf Dúné - gemessen an der Qualität ihres Auftritts. Die Musik vereint Indie mit Punk und Rock, driftet ab in die 70s und 80s, um dann gleich wieder von einer modern-kühlen Attitüde abgeholt zu werden. Vielleicht doch eher Musik für überschaubare Clubs mit einem weniger Mainstream-orientierten Publikum, die diesen Stil zu schätzen wissen?

 

Die Sportfreunde Stiller läuteten im Anschluss dann den auch der Allgemeinheit bekannten, deutschsprachigen Teil des musikalischen Abends ein. Das Trio kann roquen und stellte das mit einigen ihrer Hits unter Beweis. Spätestens beim „Kompliment“ hatten sie das etwas spröde Publikum auf ihrer Seite und so tönte den Bayern aus tausenden Kehlen entgegen: „so schön, dass man nie darauf verzichten mag“. Charmant plauderte Peter - mit einer offensichtlichen Vorliebe für die Blondinen in den ersten fünf Reihen - mit dem Publikum und sprang energiegeladen über die Bühne. Die Sportfreunde Stiller spielten einen Querschnitt durch ihr Programm, kaum Highlights, aber auch keine Patzer. Eben das, was man ein solides Programm nennt. Schade, denn mit ein paar neuen Nummern (wann kann man endlich mal wieder damit rechnen?!) hätte man sicher „ganz großes Kino“ erreichen können.

Und dann war es endlich Zeit für Die Ärzte. Es gibt Kritiker, die behaupten steif und fest, dass man nur Fan der Toten Hosen oder der Ärzte sein kann. Beides ginge nicht. In meiner jugendlichen Ignoranz habe ich das auch geglaubt und war treuer Anhänger Berliner. Bis zu einem denkwürdigen Festival, auf dem ich zum ersten Mal Die Ärzte live spielen hörte, sah, erlebte. Schon vorher gefiel mir der ein oder andere Song, aber als Gegner hätte ich das natürlich nie zugegeben. Dieser Auftritt revolutionierte mein Denken und ließ mich größten Respekt für die Berliner empfinden. Ob sie wirklich die beste Band der Welt sind, sei dahingestellt - aber warum eigentlich nicht. Sie machen Party wie kaum eine andere Band und ein Sommer ohne Die Ärzte ist mittlerweile kein richtiger Sommer mehr. Auch einzeln machen Bela B. und Farin Urlaub eine gute Figur, respektable Musik - aber die Live-Shows funktionieren doch am besten mit allen dreien. Denn dass die Chemie zwischen Farin, Bela und Rod stimmt, das merkt man direkt. Frotzeleien und spontan erfundene Liedchen, das Vorführen des Publikums - all das stand auch in Eupen auf dem Programm. Und es macht Spaß, sich als Teil der Marionette zu fühlen, die eben nicht pflegeleicht, aber glücklicherweise auch nicht unrockbar ist. Die Ärzte spielten unfassbare, aber umso respektablere zweieinhalb Stunden und lieferten einen Hit nach dem anderen: alt und neu, Klassiker und Newcomer. Textsicher war das Publikum allemal, daran konnte auch das steigende explosive Drogengemisch aus Alkohol, Endorphinen und anderen Substanzen unter den Feiernden nichts ändern. Es herrschte ein kollektives Musik-High, das auch noch Wochen später anhalten wird.

 

Fazit:

Eupen mausert sich von Jahr zu Jahr: weg vom Geheimtipp und hin zum etablierten Festival.

Und nach meiner Konvertierung stellt sich mir nunmehr die Frage: Wie kann man nicht Fan der Ärzte sein?! Bela, Farin und Rod lieben doch uns alle. Und sich am meisten.

 

Elisa Jannasch