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Danke, Clueso

 


Es war auf dem Weg nach Hause, nach einem langen Arbeitstag. Es war ein Frühlingsabend, in der Dämmerung und leicht verregnet. Im Radio spielte eine Sendung Neuentdeckung, fernab vom Mainstream - Musik, die man keinesfalls verpassen sollte. Geheimtipps sozusagen. In Gedanken war ich sowieso noch im Büro.
Doch dann ertönten die erste Akkorde. Und wenig später dazu die Worte "dort, wo die kleine Welt ganz groß ist, sieht sie sich an den Lichtern satt". Diese wenigen Worten reichten, um mich in den Bann zu ziehen. Noch nie hatte ich mich so in einem Lied wieder erkannt. Denn auch ich wollte manchmal nur noch dort sein, wo mich keiner kennt. Aber am allerliebsten doch in Chicago. Weil er dort ist, um den sich meine kleine Welt damals drehte.
Erst viel später erkannte ich den wahren Sinn hinter dem Text und stellte fest, dass ich vielleicht doch nicht gemeint war. Oder vielleicht doch. Vielleicht, weil du meine persönliche Droge warst, die mich zum Träumen gebracht hat. Und die mich noch viel später hat ganz tief fallen lassen.
und irgendwann fand ich heraus, dass dieser Sänger Clueso ist.

Seitdem hat Clueso mich nie mehr verlassen. Manchmal denke ich mit Wehmut an Chicago, doch meistens zaubert dieses Lied ein Lächeln auf meine Lippen. Denn wer sonst außer Clueso ist ein solcher Sänger, der so sehr berührt, dass es weh tut, weil die Musik so schön ist.

Doch Clueso hat auch andere Seite. Party-Seiten zum Abrocken. Abwechslungsreich und verspielt. HipHop, Pop, Indie und Mainstream - alles zusammen. Er hat Power. Kraftvoll und gleichzeitig einfühlsam, so kommt die Musik von Clueso einher. Dazu eine unverwechselbare Stimme. Er versteht es, selbst nach etlichen Hits nicht langweilig zu werden und trotzdem seinem Stil treu zu bleiben.

Trotz seines Erfolges wirkt Clueso noch immer wie der Junge von nebenan: sympathisch und mit beiden Beinen auf der Erde geblieben. Vor Jahren hatte ich die Ehre, ihn live spielen zu sehen. Als er noch von Pizzaschachteln unterm Bett sang und noch nicht an Chicago dachte. Auf einer kleinen Bühne mit wenigen Zuhörern. Auch ich hatte diesen Auftritt lange ausgeblendet. Doch heute? Hat sich wirklich so viel geändert? Ein schmächtiger Junge vor einem 80-köpfigen Orchester - zuletzt gesehen bei der 1Live Krone 2009 - doch der äußere Eindruck täuscht. Stimmgewaltig und mitreißend, das ist dieser schmächtige Junge.
Eine Gelegenheit zum Interview ließ ich verstreichen. Denn viel lieber möchte ich mich meinen Illusionen und meinem Bild von Clueso hingeben, als enttäuscht zu werden. Denn diese Musik verdient keinen Schatten.

Nicht die Musik allein fasziniert mich, es sind die Texte. Die Wortspiele in Gewinner sind einzigartig. Doch eigentlich sind es die Geschichten, die er erzählt. Sie sind vielschichtig und erschließen sich manchmal erst beim zehnten Hören im Detail. Er gibt Ängste zu, erzählt Banales und stellt so die Verbindung zu den Hörern her. "Du meinst, wir war'n zusammen. Doch von Anfang an lief ich nur nebenher" - ist nur ein Beispiel für die wunderbare Mehrdeutigkeit, die Clueso überall in seinen Texten versteckt.


 

Fazit:

Und letztendlich erfreut mich bei Clueso das Paket aus Musik, Texten und dieser wunderbaren Stimme. Danke für deine Musik - auf dass ich noch lange viel mehr von dir hören werde. Denn in meiner Chicago-Traumwelt bin ich mir sicher, dass Clueso diese Musik nur für mich macht. Und deswegen tauche ich auch so gern ein, in diese besondere Welt, aus gefüllt von Klängen, bei denen alles stimmt. 

 

 

Elisa Jannasch

Mehr Informationen unter:

Website: www.clueso.de